In diesem Buch ĂŒbers Gehirn wird erklĂ€rt, wie es funktioniert.

Selbstheilung: Im Schlaf ist Ihr Gehirn dreifach aktiv fĂŒr Ihre Gesundheit.

Lesezeit: circa 6 Minuten

Durchschnittlich circa 86 Milliarden Neuronen enthĂ€lt Ihr Gehirn. Diese Nervenzellen bilden die Basis fĂŒr dessen erstaunliche LeistungsfĂ€higkeit. Die LĂ€nge aller Nervenbahnen eines Erwachsenen betrĂ€gt in etwa 5,8 Millionen Kilometer, das entspricht dem 145-fachen Erdumfang. Es macht 2 % der Körpermasse aus, verbraucht mit etwa 20 Watt aber circa 20 % des Grundumsatzes (Ruheenergiebedarf, oft auch Ruheenergieverbrauch) bei einem Neugeborenen laut Wikipedia 50 Prozent.

WÀhrend wir wach sind, verbraucht unser Gehirn gierig VorrÀte an wichtigen Ressourcen.

Dr. Marc Dingman, Seite 73 im Buch „DAS GEHIRN“

WĂ€hrend des Schlafes legt das Gehirn bei diesem enormen Energiebedarf allerdings eine Pause ein. Es steht uns nicht zur VerfĂŒgung, sondern fokussiert sich darauf, seine leeren Speicher mit lebensnotwendigen Substanzen wie AminosĂ€uren, Adenosintriphosphat und Glucose (wichtigster Energielieferant) wieder aufzufĂŒllen. Wir mĂŒssen also ein Drittel unseres Lebens ohne Bewusstsein sein, damit der dreifache Zweck des Schlafes erreicht werden kann. Welcher das ist und was das mit Selbstheilung zu tun hat, erfahren Sie hier.

Was macht das Gehirn in der Nacht?

Wir mĂŒssen schlafen, um Energie zu sparen und zugleich wieder aufzutanken, giftige Substanzen loszuwerden und aus dem tagsĂŒber Erlebten Erinnerungen zu bilden. Da wir keine gute Nachtsicht haben, ist es evolutionĂ€r gesehen sinnvoll, dass wir nachts schlafen, weil es einerseits die unproduktivste Zeit fĂŒr uns ist, wobei andererseits die GehirnaktivitĂ€t aber nicht aufhört.

Obwohl es sich beim Schlafen so anfĂŒhlt, als tue sich nichts, ist das Gehirn sehr aktiv. Das scheinbare Paradox: Das Gehirn schlĂ€ft nie, braucht aber unseren erholsamen Schlaf.

Es bringt den Energie-Haushalt wieder in Ordnung, betĂ€tigt sich als Putzdienst und MĂŒllabfuhr und verarbeitet in den TrĂ€umen lebhaft das im Wachzustand Vorgefallene. WĂ€hrend der REM-Phase gleicht unsere HirnaktivitĂ€t, mit EEG messbar, den Mustern im wachen Zustand.

Drei Funktionen als wahrer Zweck des Schlafes

Der Schlaf hat die drei bereits genannten wichtigen Funktionen.

  • Erholsame Funktion
  • Toxische Abfallprodukte beseitigende Funktion
  • Gleichgewicht haltende Funktion von Erinnern und Vergessen
Verschiedene Regionen sind fĂŒr verschiedene PhĂ€nomene zustĂ€ndig. Der Hippocampus zum Beispiel fĂŒr unser GedĂ€chtnis.
Die Neurowissenschaft kartografiert das Gehirn. Die beiden Hippocampi sollen das Zentrum fĂŒr unser GedĂ€chtnis sein. Foto: pixabay

Durch gezieltes Vergessen können wir wieder Neues lernen

WĂ€hrend wir schlafen, verarbeitet das Gehirn die Erfahrungen des Tages. Die Neurowissenschaft hat mittlerweile gezeigt, dass wir unsere tĂ€glichen Erlebnisse im Schlaf noch ein Mal durchleben. Diese Wiederholung finden im Hippocampus statt, der relevanten Region fĂŒr das GedĂ€chtnis. Diese Hypothese bietet an, dass Schlaf fĂŒr die GedĂ€chtnis-Konsolidierung wichtig ist. Um wichtig von unwichtig zu unterscheiden, selektiert das Gehirn. Wie das genau funktioniert, ist nach wie vor Gegenstand der Hirnforschung. Im Schlaf wird alles Erlebte geprĂŒft, Wichtiges als Erinnerungen gespeichert und Unwichtiges vergessen. An die wichtigen Ereignisse können wir uns dann besser erinnern, was immer schon ĂŒberlebenswichtig war und bleibt.

Um zu vergessen werden die Verbindungen einzelner Hirnzellen geschwÀcht oder gÀnzlich getrennt. Diese Auffassung geht davon aus, dass es diesen Vorgang braucht, um das Gleichgewicht von Erinnern und Vergessen zu halten. Durch das gezielte Vergessen wÀhrend des Schlafes können wir am folgenden Tag wieder Neues lernen.

Schlaf ist fĂŒr die Konsolidierung und Integration der im Laufe des Tages gelernten Informationen von entscheidender Bedeutung. Weil sich gezeigt hat, dass Schlafstörungen das Abrufen von Informationen vom Vortag erschweren können. Wer mit sich selbst im Reinen ist, sollte fit fĂŒr den nĂ€chsten Tag sein.

Unser Gehirn entsorgt den eigenen MĂŒll. Foto: Anna Shvets auf Pexels

Giftige Proteine werden abtransportiert

Wir sollten ausreichend schlafen, damit das Gehirn die krankheitsvorbeugenden Instandhaltungsarbeiten durchfĂŒhren kann, damit es am nĂ€chsten Tag wieder wie geschmiert laufen kann. Es befreit sich von Giftstoffen, die sich wĂ€hrend des wachen Zustandes ansammeln. Durch diesen Abtransport können Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer abgewehrt oder verzögert werden.

WĂ€hrend wir wach sind, sammeln sich Abfallprodukte in der FlĂŒssigkeit zwischen den Zellen unseres Gehirns. Dieser MĂŒll beinhaltet Proteine, zum Beispiel Amyloid-Beta- und Tau-Proteine, deren Aufbau mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer zusammenhĂ€ngt. WĂ€hrend des Schlafes, laut einer Studie bei MĂ€usen, ist der Fluss von Liquor cerebrospinalis (CSF) durch das Gehirn erhöht.

Eine der wichtigsten Aufgaben von CSF ist die Abfallbeseitigung. Eine Erhöhung des CSF-Flusses erleichtert die Entfernung dieser schĂ€dlichen Proteine. Der zirkulierende Liquor ist also ein Transportmedium, insbesondere fĂŒr den Mikro-Kreislauf des Gehirns zur Beseitigung von nicht verwertbaren organischen RĂŒckstĂ€nden. Er gehört somit laut Wikipedia zu dem 2012 entdeckten glymphatischen System (Glymphatisches System: Entsorgungsnetzwerk fĂŒr Abfallstoffe im Zentralnervensystem (ZNS), also in Gehirn und RĂŒckenmark).

Dieser erhöhte CSF-Fluss und die somit mögliche Abfallentfernung soll auch ein Merkmal des menschlichen Schlafes sein. Das erklĂ€rt, warum festgestellt wurde, dass schlechte SchlafqualitĂ€t und kĂŒrzere Schlafdauer mit einer höheren AnhĂ€ufung von Amyloid-Beta-Proteinen verbunden ist.

Im Schlaf VorrÀte anlegen

Das Gehirn ist hungrig nach Energie. TagsĂŒber hat es aber oft keine Zeit, diesen Hunger zu stillen, weil wir es permanent nutzen. Daher sind Pausen wichtig, damit es leere Speicher wieder auffĂŒllen kann. Schlaf ist lebensnotwendig, weil das Gehirn wĂ€hrend dieser stundenlangen Pause die nötige Energie aufnehmen und in Ruhe speichern kann und sich wieder so erholen kann. WĂ€hrend dieser Zeit sind wir bloß Gehirn-Besitzer, aber keine Gehirn-Nutzer (Wortschöpfungen siehe Vera F. Birkenbihl) und das ist fĂŒr unsere Gesundheit förderlich.

Schlaf hat definitiv eine erholsame Funktion. WĂ€hrend des Schlafens fĂŒllen wir die Energiereserven auf, die wir im Laufe unseres Tages verbraucht haben. Um beispielsweise den tĂ€glichen Bedarf zu decken, verbraucht Ihr Gehirn Glykogenspeicher fĂŒr Energie.

Schlaf ist die beste Gelegenheit, die Anforderungen an das Gehirn zu verringern, damit zugleich die VorrĂ€te wieder aufgefĂŒllt werden können.

Selbstheilung durch gesunden Schlaf

Wie Schlaf zur Aufrechterhaltung eines gesunden Gehirns beitragen kann, wurde nun erlĂ€utert. ErhĂ€lt unser Gehirn ein Signal, dass im Körper etwas Gefahr lĂ€uft, aus der gesunden Balance zu geraten, aktiviert es die SelbstheilungskrĂ€fte. So zum Beispiel repariert und erneuert der Körper permanent Zellen, ohne dass wir es wahrnehmen. Außerdem werden Abfallstoffe ausgeschieden, um unseren Körper gesund zu erhalten. Genau so macht es auch das Gehirn, weil es ja Teil des Körpers ist. Körper und Gehirn heilen sich selbst.

Diese Selbstheilung können wir durch Pausen, Meditation und erholsamen Schlaf unterstĂŒtzen. Warum ist Schlaf so wichtig? Damit das Gehirn die drei TĂ€tigkeiten Ihrer Gesundheit zuliebe in Ruhe durchfĂŒhren kann. In diesem Sinne: Schlafen Sie gut.

Quellen:

Marc Dingman. Das Gehirn Neueste Erkenntnisse der Neurowissenschaften ĂŒber unser wichtigstes Organ und seine Macken. Gebundene Ausgabe. April 2020

MTA Dialog: Was passiert bei Schlafmangel? Warum unser Gehirn Schlaf braucht.

Wikipedia Fakten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn

Wer viel schlÀft so wie hier in der HÀngematte, bleibt gesund.
Guter Schlaf – gute Gesundheit. Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

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